Ingo Swoboda Portrait

Wer im Rheingau zur Welt kommt, wird selbstverständlich mit Wein und natürlich mit Riesling konfrontiert. Und mit der Arbeit, die vor dem Genuss steht. Während meiner Rheingauer Schulzeit habe ich in den Weinbergen und in den Kellern verschiedener renommierter Güter gearbeitet. Und das nicht nur in den Ferien. Zu Hause herrschte keine aufgesetzte Wein-Leidenschaft, sondern Wein-Normalität. Das prägt. Wein ist für mich kein Kultobjekt, sondern der unverzichtbare Teil einer kultivierten Lebensart, eine Komponente eines genussreichen Lebens, zu dem sicherlich noch einiges andere dazugehört.

Zum Beispiel Essen.

Man kann nicht schlecht essen, aber vermeintlich gute Weine trinken. Und umgekehrt. Essen als Erlebnis und Gaumenfreuden habe ich schon früh erfahren. Das lag zum einen daran, dass meine Großmutter gelernte Köchin war. Die Aromen und Gerüche, die aus ihren dampfenden Töpfe und Pfannen aufstiegen, sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Zum anderen verbrachte ich die meisten Ferien meiner Kindheit und Jugend in Frankreich und fügte mich ohne Widerstand in die französische Esskultur ein.

Frankreich fasziniert mich bis heute.

Auch im Studium hat es mich nach Frankreich verschlagen, ein Teil des Studiums der Staats- und Rechtswissenschaften habe ich an der Universität in Dijon absolviert. Herrliche Zeiten inmitten des Burgunds, ein Leben zwischen Büchern, Pinot noirs und Boeuf bourguignon. Dem „Savoir vivre“ folgten zwei Jahre Volontariat bei der Brönner-Umschau-Gruppe in Frankfurt und Ausbildung zum Redakteur. Journalismus von der Pike auf. Danach Redakteur für Mode und Accessoires mit vielen Reisen rund um die Welt und einem Einblick in die glitzernde Modewelt zwischen Pariser Laufstegen und Hinterhoffabriken in Bangkok. Als das Angebot kam, zu einer renommierten Weinzeitschrift nach Mainz zu wechseln, sagte ich der skurrilen Modewelt Adieu. Auf Mainz folgte der WeinGourmet in Hamburg, heute schreibe ich unter anderem für die führende Gourmet-Zeitschrift DER FEINSCHMECKER, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung und Bonner Generalanzeiger.

Und ich schreibe Bücher.

Das erste Weinbuch war eine Auftragsarbeit zum Thema Weinsensorik. Da der Auftraggeber das Manuskript so schlecht fand, aber keine Zeit mehr für Korrekturen war, wollte er unbedingt meinen Namen als Co-Autor mit auf dem Cover haben. Als Absicherung für den miesen Text. Das Buch erschien, wurde im Verlag ein Bestseller und bekam auf der Frankfurter Buchmesse eine Silbermedaille. Von da an packte mich der Buch-Ehrgeiz.

Mittlerweile sind es mehr als 50 Titel zu den Themen Essen und Trinken geworden, unter anderem die viel beachteten Portraits über die Sterneköche Dieter Müller, Johannes King, Kolja Kleeberg, Ali Güngörmüs, Harald Rüssel und Thomas Kammeier. Dazu zwei aufwendige Koch-Bücher zu den Themen Ingwer und Chili, fotografiert von Luzia Ellert. Das Standardwerk über den „Riesling“ wurde in Deutschland und in der Schweiz als bestes Weinbuch prämiert. Der „Weinatlas Deutschland“, den ich zusammen mit Dieter Braatz und Ulrich Sautter im Hallwag-Verlag geschrieben habe, wurde auf der Verleihung der Gourmand World Cookbook Awards 2008 in London als „Best Wine Atlas in the World“ ausgezeichnet. 2009 erhielt der Weinatlas den Schweizer Literaturpreis. Für die Süddeutsche Zeitung habe ich die bislang einzige „Bibliothek der Köche“ geschrieben, eine kulinarische Entdeckungsreise in 20 Bänden durch die besten Küchen Deutschlands. Als Weinkritiker und Autor bin ich seit rund zehn Jahren mitverantwortlich für den jährlich erscheinenden Feinschmecker WeinGuide, der rund 800 deutsche Weingüter beschreibt und bewertet.

Erkenntnis.

Die Harmonie des guten Lebens liegt in der normalen, unspektakulären Zusammensetzung von Genüssen, die sich nicht auf Essen und Trinken beschränken. Kein übertriebener Eifer oder aufgesetzter Enthusiasmus, sondern konstante Professionalität und Offenheit für das Wahre, Schöne und Gute.